Die Zerbrechlichkeit des Ritters

 

Schlussszene einer Serienfolge: Das Team kommt zu einem gemeinsamen Essen zusammen. Eingeladen hatte der Teamchef, der für das Team gekocht hatte. Spaghetti Carbonara. Harmonie und ruhiges Glück, die Menschen lachend, sich zuprostend, nah beieinanderstehend, fröhlich und glücklich.

 

Kontaktpersonen

Sehnsucht, Schmerz und ein großes Gefühl des Vermissens breitete sich in mir aus. Seit März 2020 sind meine engen sozialen Kontakte auf meine geliebte Familie „beschränkt“ und ich bin unheimlich froh, dass ich ein Mitglied dieser Familie sein darf.
Als ich mir überlegte, wen ich denn im Falle eines Falles als „Kontaktperson 1. Grades“ angeben müsste, war demnach die Liste auch kurz: Mein Mann und meine Kinder.

 

Soziale Medien

Aber es gibt doch die sozialen Medien. Ja, der Austausch via Telefon, WA, SMS, Facebook Messenger hat in Wort und Schrift unheimlich an Fahrt gewonnen. Kurse laufen im Studio (wieder online), man tauscht sich mit Kollegen und Kolleginnen aus, wird mit Informationen versorgt oder wahlweise auch ungefragt zugeschüttet. Man schreibt Briefe, postet selbst Unmengen an Gedanken, Links etc. etc. etc. – aber das Gefühl echten Miteinanders, echter Geborgenheit, der Spirit, den man in einem Raum mit Menschen, die glücklich sind, einatmen und aufsagen kann, der ist weg.

 

Vernunft

Es ist nur die Psyche, die langsam nicht mehr mitmachen möchte. Faktisch gibt es nichts, worüber man sich beschweren könnte. Ist doch alles gut. Ist doch alles friedlich. Spinner gab es immer schon.

 

Horror

Dazu kommen die Dinge, die einem zusätzlich Angst machen und die man gerne ungefragt geschickt bekommt. Es sind Menschen, die man nicht einfach blockieren möchte, die man nicht ignorieren möchte, die einem eigentlich wichtig sind. Die Pinnwand bei FB macht es einem da leichter, man stellt einfach ein „nicht mehr abonnieren“ ein. Doch wenn das Postfach schon vor dem ersten Kaffee mit Meldungen von Killermoskitos infiziert mit Ebola-Viren, von Impflagern, die aufgebaut werden sollen, von Verstaatlichung aller Unternehmen und Enteignung überquillt, dann kann man entweder darüber lachen, oder es ignorieren oder es sich (die blödeste aller Reaktionen, also meine) durchlesen und sich die Frage stellen: Was wäre, wenn dem so wäre?

 

Als ob die „echte“ Sachlage im Moment nicht schlimm genug wäre und es hier nicht schon genug Fragen gäbe, die es wert sind, gestellt zu werden, gibt es Menschen, die in etwas sado-masochistischer Art und Weise immer noch eins draufsetzen müssen: Abschaffung der Demokratie, Verschwörung, Langzeitfolgen, Untergang, Eliminierung des Mittelstands.

 

Wahrheit oder Lüge

„Glaub‘ doch diesen Blödsinn nicht!“ – Wenn dem so einfach wäre. Es hieß auch, dass es keinen zweiten Lockdown geben würde. Wir sind mittendrin. Es hieß auch, dass niemand die Absicht hätte, eine Mauer zu bauen. Der Rest ist Geschichte. Es hieß so vieles, was man zu glauben bereit war und wo man erkennen musste, dass es gelogen war.

 

Rüstung polieren

Ich bin nicht stark. Ich poliere nur jeden Tag meine Rüstung auf. Innerlich bröselt es gewaltig,

Die glänzende Rüstung haben meine Mitmenschen verdient. Die Personen, die unter anderem online an den Kursen teilnehmen und so zu einem ganz kleinen letzten Rest „neuer“ Normalität beitragen. Die Menschen, die ihrerseits zweifeln, hadern, Sorgen haben. Ich bin Dienstleister. Das bedeutet, dass es meine Aufgabe ist, für andere da zu sein und dass die Personen, die für unsere Leistungen zahlen, sich nicht mit meinem Problemen rumschlagen müssen, sie haben genug eigene.

 

Was wir bewältigen müssen, reicht schon

Die Herausforderungen, denen wir uns im Moment alle stellen müssen, sind groß genug. Da brauche ich nicht noch hysterische YouTube-Videos von Killermoskitos. Mag sein, dass ich nicht sehen will, was andere als ultimative Wahrheit bereits erkennen. Ich will es nicht sehen, weil ich es nicht sehen kann. Ich will es nicht sehen, weil ich mir dann überlegen müsste, wie ich damit umgehe. Und weil ich hier keine Antwort habe, wäre das ein weiterer Punkt auf der Liste der Ohnmächtigkeiten und Hilfslosigkeiten. Man möge mir meine begrenzte Leidensfähigkeit nachsehen.

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