Sonderstatus mit gemischten Gefühlen



Seit dem 15.05.2020 haben wir die Ausnahmegenehmigung erhalten, unser Studio CrazySports Augsburg unter strengen Auflagen wieder öffnen zu dürfen. Die Freude war und ist riesig, das Verantwortungsgefühl, mit welchem man mit diesem Fakt umzugehen hat ebenso und dennoch ist die Freude ein wenig getrübt. Warum?

Die Regelungen werden immer undurchsichtiger

Am Anfang des Lock-Downs saßen wir alle im selben Boot. Der Schutz, den wir füreinander bieten können, die Verantwortung, die jeder in der Gesellschaft zu tragen bereit sein sollte, stehen an erster Stelle. Keine Frage.

Auch dass die Wirtschaft mit Vorsicht und Umsicht wieder hochgefahren werden muss, ist notwendig. Dass man hier Regelungen treffen muss, die nicht jedem Vertreter jeder Branche schmecken, ist ebenso klar wie nachvollziehbar.


ABER

Jetzt werden die Regelungen immer weniger nachvollziehbar.

Friseure: offen. Tätowierer: offen. Bekleidungsgeschäfte inklusive Anproben: offen. Kosmetikinstitute: offen. Therapeutische Massagen: offen. Schulen: (teilweise) offen.

Gerade weil jetzt (für uns) nicht mehr nachvollziehbar war, warum in einem Bekleidungsgeschäft die Infektionsgefahr geringer sein sollte als in einem Yoga- oder Pilates, oder sonstigem Kleinstsportstudio hatten wir und entschieden, weiter für eine Ausnahmegenehmigung zu kämpfen.

Letztlich konnten wir mit Hilfe des BDS (Bund der Selbständigen), mit Hilfe und offenen Ohren ortsansässiger Politiker und einem Rechtsanwalt erwirken, dass wir unter strengen Auflagen wieder öffnen dürfen.

Wichtig war hier ein vorangegangenes Gerichtsurteil, welches EMS-Studios nicht in die Branche der Fitnessstudios einordnete, weil man hier mit Abstand und kontaktlos trainieren könne. Wie bei vielen anderen Sportstudios auch.


Zweifelhafte Pionierstellung

Fakt ist, am 15.05.2020 erhielt CrazySports Augsburg eine Sonderstellung.

Etwas worauf man stolz sein kann? Natürlich freuen wir uns, aber die Gerechtigkeit sollte für alle herrschen, die ein gangbares Hygienekonzept vorweisen können. Sonst ist alles eine Farce und Willkür.


Willkür und Machtausübung

In jeder Pressekonferenz wartet man sehnsüchtig auf Aussagen, die die Sportbranche im Allgemeinen betreffen würden. In jeder Pressekonferenz wurde bisher diese Hoffnung zerschlagen.

Jeder der sich bewegt und Sport betreibt, weiß um die positive Wirkung. Es herrscht allem Anschein nach in der Politik wohl eine Vorstellung von Sport und Fitness, die fernab jeder Realität liegt.

 

Genommene Perspektiven

Auch heute, Stand 22. Mai 2020, gibt es für Fitnessstudios aller Couleur (auch Kleinstsportstudios) noch keine Perspektive. In Bayern wird noch nicht einmal ein mögliches Datum genannt. Bis auf unbestimmte Zeit geschlossen. Das kann nicht sein.

 

Die Langzeitschäden für KMUs sind nicht mit den Lockerungen vorbei

Auch wenn die Branchen dann, inklusive unserer Sportbranche, alle wieder „hochfahren“ dürfen, ist nicht alles von heute auf morgen „gut“.

Viele haben ihren Mitgliedern versprochen, erst einmal alles nachzuholen. Im Gespräch mit vielen Kollegen und Kolleginnen zeichnete sich immer ein ähnliches Bild ab.

Dann kommt der Sommer, der normalerweise durch das gleichnamige Loch geprägt ist. Andere Kunden und Kundinnen werden nicht mehr kommen (können), weil sie ihrerseits mit den Auswirkungen der Krise zu kämpfen haben (Kurzarbeit, veränderte Arbeitszeiten und vieles mehr).

Fakt ist, die Regenerationsphase/ die Neuorientierung wird mindestens bis Ende des Jahres andauern, also können wir uns vielleicht wieder bewegen, aber ob wir wirklich agil sind, auch das kann im Moment niemand sagen. Wir sind als „genesen“ aus dem Krankenhaus entlassen, aber noch lange nicht fit.

Keine Egozentrik

Wir haben nahezu 2 Monate gekämpft und waren mit Erhalt der Ausnahmegenehmigung „siegreich“. Ich mag weder die Worte „Kampf“ noch „Sieg“, sie erinnern mich an Krieg.

Es hat unheimlich viel Kraft, Mühen und Anstrengungen gekostet. Für unser Studio ist es schön, dass wir eine Ausnahmegenehmigung bekommen haben, aber die vielen anderen Studios, die ähnliche Konzepte haben, sollten nicht vergessen werden.

Unser Weg

Welche Maßnahmen sich in unserem Fall als hilfreich erwiesen haben, wo man die richtigen Ansprechpartner findet, welche Gerichtsurteile zum Vergleich herangezogen werden können – all das haben wir für die Kollegen und Kolleginnen der Branche in einer PDF-Datei zusammengestellt. Diese kann gerne gegen eine Schutzgebühr, deren Höhe ihr selbst bestimmt, angefordert werden.

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