Unsinnige Feedbackregeln

  • Feedback muss man stehen lassen
  • Kritik ist eine Möglichkeit des Wachstums
  • Der Feedbackgeber macht ein Geschenk
  • Für Kritik sollte man sich bedanken....
Diese Feedbackregeln sind allgemein bekannt. In unzähligen Kommunikations- und Teamseminaren werden diese so proklamiert.

Die Erfahrung lehrt: Sie funktionieren nicht.
Je eher wir uns dessen bewusst werden, umso eher können wir realistisch mit Kommunikation, Feedback und den Teammitgliedern umgehen. Als Mitglied des Teams, aber auch als Führungskraft.

Feedback muss man stehen lassen
Wie geht es Ihnen, wenn Sie sich an diese Regel halten, obwohl sie gerne ein paar erklärende Worte abgeben würden, obwohl sie das Missverständnis, auf welchem das gegebene Feedback eventuell beruht, einfach aus der Welt schaffen wollen würden? Gut? Mit Sicherheit nicht.
Dann ist Feedback wie eine Strafe, die man erdulden muss.

Kritik ist eine Möglichkeit des Wachstums
Selbst wenn wir von wohlwollender und konstruktiver Kritik ausgehen, so bleibt doch ein Punkt bestehen: Was man gemacht hat, war nicht perfekt. Natürlich hat man die Chance daran zu wachsen.
Allein, diese Möglichkeit zu erkennen benötigt Zeit. Zeit ist relativ und so benötigt eine Person vielleicht nur Minuten, um festzustellen, dass die Ratschläge und die konstruktive Kritik berechtigt waren und einem tatsächlich die Möglichkeit geben, es beim nächsten Mal besser zu machen. Eine andere Person mag Tage oder Monate benötigen, um das Feedback hin- und herzuwälzen, es von allen Seiten zu betrachten und dann zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass es wertvoll war.

Fakt bleibt, dass keine Person sich sofort darüber freut, wenn sie kritisiert wird. Eine normale und authentische Reaktion ist die Ablehnung. Ablehnung der Kritik und Ablehnung der Person.
Erst wenn man sich dessen bewusst ist und keine falschen Erwartungen an sich und andere stellt, kann man authentisch und überzeugend agieren, reagieren, kommunizieren und auftreten.

Der Feedbackgeber macht ein Geschenk
Der Apfel, den Schneewittchen von der bösen Königin bekam, war auch ein Geschenk. Die Person, die Feedback erhält darf also mit gutem Gewissen dieses Geschenk auch ein wenig misstrauisch betrachten, das Geschenk untersuchen und sich fragen, was sie mit dem Geschenk anfangen will - ob sie überhaupt etwas mit dem Geschenk anfangen kann. Nicht jedes noch so gut gemeinte Feedback ist auch tatsächlich wertvoll.

Für Kritik sollte man sich bedanken
Auf alle Fälle. Wenn man mit dieser Kritik die Möglichkeit bekommt, zu wachsen. Der Dank kann erst dann von Herzen und überzeugend erfolgen, wenn man die oben beschriebenen Schritte durchlaufen hat. Und somit ist es ganz normal und absolut verständlich, dass eine wohlformulierte Aussage gemäß allen Regeln der Feedbackkunst in welcher man sich fast schon überschwenglich für die Kritik bedankt, selten authentisch als vielmehr auswendig gelernt und aufgesetzt wirkt.

Realistische Erwartungen an die Kommunikation
Wenn wir uns darüber im Klaren sind, dass auch das beste Kommunikations-, Team- und Konfliktmanagement-Seminar an diesen Sachverhalten nichts ändern wird, dann können wir auf allen Seiten mit realistischen Erwartungen an unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und an die Kommuniaktion zwischen Menschen herantreten.




Immer die gleiche Masche


Freundschaftsanfrage Facebook. Ohne Nachricht.

Man kann entweder blindlings bestätigen, weil jede Person die Zahl der „Freunde und Freundinnen“ nach oben schraubt und man nach dem Motto verfährt „viel = gut, mehr = besser“ – oder man reagiert gar nicht, oder man fragt die Person, was sie denn eigentlich möchte (geboren aus einer Mixtur von Neugier, Masochismus, rudimentärer Höflich- und Eitelkeit)?

Ich gehöre zur letzten Kategorie.

Danach hat man die Wahl.
·      Personen, die keine Ahnung haben, warum sie überhaupt eine Freundschaftsanfrage gestellt haben.
·      Verzweifelte Herren (gleich welchen Alters, manche nicht älter als mein Sohn), die der Meinung sind, der Ablauf wäre wie folgt: FB-Freundschaftsanfrage – Treffen – Koitus
·      Personen, die erschreckt sind, überhaupt eine Rückmeldung zu bekommen und mit „Fuck you“ antworten.
·      Personen, die etwas verkaufen wollen, was sie natürlich mit Vehemenz verneinen.
·      Geschäftskontakte, die versehentlich auf dem Privatprofil gelandet sind und gerne die Konversation über die Geschäftsseiten anstreben.
·      Personen, die geschäftliche Anfragen haben, allerdings beleidigt reagieren, wenn man sie bittet, sich dann doch über die Geschäftsseiten an das Unternehmen zu wenden.
·      Ganz liebe Personen, die einen gefunden/wiedergefunden haben und mit denen man gerne verbunden sein möchte (Nicht ohne Grund, werden diese wertvollen Personen zuletzt genannt).

Der letzte Schrei im Verkaufsseminar?

Was ich allerdings so gar nicht leiden kann ist die neue Verkaufsmasche. In welchem „Seminar“ für Vertriebler und Vertrieblerinnen wurde die eigentlich gehyped?

Freundschaftsanfrage – Private Nachricht (nach masochistischem Nachfragen). Komplimente: So toll, so schön, so kompetent – bla bla bla.
Bitte sehe Dir doch mal unsere neue Geschäftsseite an. Wir sind gerade am Aufbau dieser und benötigen Feedback einer kompetenten Person.

Klartext: „Hey, guck’ dir unsere Produkte an und kaufe!“

Konfrontiert man diese Personen dann mit dem Sachinhalt dessen, was sie geschrieben haben (zugegeben etwas überspitzt): „Vielen Dank, dass Du Rebel-Management-Training kontaktierst. Klar gebe ich gerne fundiertes Feedback zu Eurem Außenauftritt, wohin darf ich die Rechnung für diese Leistung senden?“ – erntet man wahlweise bereits oben beschriebenes „Fuck you“ – oder auch gerne mal ein „Hä?“

Respekt! Zeit verdient Respekt

Geht doch bitte etwas respektvoller mit Eurer Zeit und der Zeit anderer um. Waren, Verkauf, Dienstleistungen, Produkte – all das ist notwendig. Verkauf ist nichts Böses, aber warum könnt ihr nicht einfach sagen: „Würde dich gerne auf unsere neue Seite einladen, wir haben echt tolle Produkte. Und wenn Du dann etwas kaufen willst, dann freuen wir uns.“

Warum muss man die eigene Intention verschleiern? Ist sie schlecht? Ist es böse?

Ach so, das war wohl irgendwie aus dem Grund, dass es nicht erlaubt ist, jemanden ungefragt zu kontaktieren (privat), um Werbung zu machen, oder? Wie bei den Telefonaten: „Bla bla bla bla bla....“ – Antwort: „Was wollen sie mir denn verkaufen?“ – „Ich? Gar nichts. Ich möchte Ihnen heute nur bla bla bla vorstellen und einen Termin vereinbaren.“ – „Okay, und wenn ich bla bla bla dann will, dann zahle ich dafür nichts?“ – „Doch natürlich!“ – „Also, dann wollen sie mir doch etwas verkaufen, oder?“

Die Tagesform entscheidet

Je nach Tagesform rege ich mich über dieses Verhalten auf („Für wie blöd halten einen die Leute eigentlich?“), lege einfach auf/ignoriere die Personen („Ich darf auch mal unhöflich sein, so!“), habe einen diebischen Spaß am Spieß-Umdrehen („Vielen Dank, dass sie Rebel-Management-Training kontaktiert haben, gerne sind wir Ihnen mit unseren Beratungsleistungen behilflich.“) oder schreibe meine Gedanken auf (Ergebnis wurde bis hierhin gelesen. Vielen Dank)

Platz für das eigene kleine Königreich



Personen, die sich in den Vordergrund drängen, sich mit fremden Federn schmücken, übertreiben, sich zu viel Raum nehmen, arrogant sind....
Zugegeben, das mag niemand gerne.

Im Auge des Betrachters

Dabei liegt aber alles im Auge des Betrachters. Manche Personen sind schon der Meinung, Selbstdarstellung wäre absolut gleichbedeutend mit den oben beschriebenen Verhaltensweisen. Das Wort „Selbstdarstellung“ ist so negativ behaftet, dass es schon wie eine Beleidigung und ein Schimpfwort verwendet wird. In einigen Kreisen ist es sogar ein institutionalisierter Begriff.

Selbstdarstellung

Die oben beschriebenen Verhaltensweisen haben aber im Grunde nichts mit einer Selbstdarstellung zu tun. Was ist ein Lebenslauf? Ja, eine Selbstdarstellung. Was ist die Wahl des bevorzugten Kleidungsstückes. Ja, eine Selbstdarstellung. Was ist das Erzählen dessen, was einen zu der Person gemacht hat, die man heute ist? Ja, eine Selbstdarstellung.

Und wer könnte das besser als die Person, die eben ihr Leben lebt? Wenn alles faktisch belegbar ist, wenn alles zueinander passt, wenn sich die Mosaiksteine fügen und ein authentisches Gesamtbild ergeben, dann ist gegen Selbstdarstellung nichts einzuwenden.
Wer kein klares Bild von sich zeichnen und entwerfen kann, darf nicht erwarten, dass die Umwelt sich eines machen kann.

Nicht Fisch, nicht Fleisch!

Nicht Fisch, nicht Fleisch! Gut, ist heutzutage auch kein Problem mehr, wo es doch sowieso immer mehr Veganer und Vegetarier gibt.
Bitte keine schillernden Persönlichkeiten, man tappt dann doch lieber im Dunkeln. Ein Grottenolm kann eben mit einem Pfau wenig anfangen. Muss er auch nicht. Beide haben ihre Berechtigung. Aber der Grottenolm sollte dem Pfau nicht die Federn ausreißen wollen...

Selbstdarstellung ist allerdings etwas ganz Natürliches und Notwendiges, was einem manche Menschen absprechen wollen. Sie beschränken die eigene Identität bzw. die Darstellung derer.
Erzähle mir, wer Du bist, aber erzähle nicht zu viel, auch wenn es stimmt!

Selbstdarstellung bedeutet, dass man eine klare Vorstellung von sich als Person hat und auch weiß, wie man gerne wahrgenommen werden wollen würde. Ob das dann immer so klappt, ist fraglich und kommt auf die Interaktionspartner an. Grundsätzlich ist gegen diesen Wunsch nichts einzuwenden.

Eigentlich.

Sprache, Mimik, Gestik, Kleidungsstil, Humor, Stil und Vorlieben, all dass gehört zu einer Person und zeichnet ein Bild von ihr. Je farbiger, desto besser. Aber manche Menschen bevorzugen grau, vor allem bei anderen Personen. (Nicht falsch verstehen, ich liebe die Farbe Grau!)

Selbstdarstellung ist notwendig

Ohne Selbstdarstellung geht es nicht. Ein Bäcker, der nicht auf die besondere Qualität seiner Backwaren hinweist, betreibt schlechtes Marketing, ein Autoverkäufer, der potentielle Kunden das Auto vorführt indem er sagt: „Ja mei, es ist ein Auto. Es kostet Geld. Es fährt. Was soll ich sonst dazu sagen?“ – wäre wohl nicht mehr lange beim Arbeitgeber? Das alles scheint uns verständlich.

Dieses Verständnis hört auf, sobald es um die eigene Person geht.
Erving Goffmann beschreibt in seinem Buch „Wir alle spielen Theater“ unter anderem auch die tägliche Inszenierung. Dabei erkennt und beschreibt er einen wesentlichen Unterschied. Ein Zuschauer erwartet und weiß, dass ihm oder ihr auf der Bühne Dinge vorgespielt und vorgetäuscht werden und wäre (mit Recht) bitter enttäuscht, wenn die Protagonisten ihren Job schlecht oder gar nicht machen würden.
Im Leben versuchen wir Dinge darzustellen, die echt sind. Dann sind wir Selbstdarsteller (noch keine Angeber, noch keine Aufschneider, noch keine Hochstapler).

Zugeschriebene Rollenkompetenz

In den soziologischen Rollentheorien (ich bin im Moment zu faul den entsprechenden Wissenschaftler rauszusuchen – war es Talcott Parson?) sagt man, zugeschriebene Rollenkompetenz wirke identitätsstiftend.
Bedeutet so viel wie: Wenn mir jemand glaubt, dass ich das, was ich tue auch kann, dann bestärkt mich das.

Umgekehrt wird leider auch ein (häufig sehr beleidigender und drückender) Schuh daraus: Nimmt sich eine Person oder eine Institution oder eine Gruppe von Personen heraus, einer Person das, was sie kann und was sie tut, abzusprechen, es als irrelevant und nichtig hinzustellen, so wird somit auch die eigene Identität in Frage gestellt. Gerade wenn es nicht Staubkörner im Selbstbild, sondern Meilensteine im Leben sind, kann man diese der anderen Personen nicht absprechen oder als nichtig abtun.

Raum einnehmen (dürfen)

Zweifel dürfen aufkommen, gesundes Misstrauen ist gut. Wie sagt man schon so schön: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ – Lässt sich die bezweifelte Person dann allerdings mit sämtlichen Wassern aller Kontrollmechanismen waschen und löst sich dabei nicht wie ein Stück Würfelzucker auf, dann sollte man der Person ihre Identität auch zugestehen.

Alles andere wäre arrogant und anmaßend. Und zwar nicht von der Person, die sich selbst darstellt....
In meiner Tätigkeit als Trainerin spreche ich oft vom „Raum einnehmen“ – dabei gilt dies sowohl in Vorbereitungen für freie Reden, als auch beim Tanzen und bei der Körpersprache. Jeder Mensch sollte Raum einnehmen können. So lange er diesen Raum mit Leben füllt und dabei niemand anderen ein- oder beschränkt, hat jede Person Anrecht auf ihr eigenes kleines Königreich.

Verweigert man dies, kann man keine Einschätzungsobjektivität für sich beanspruchen, Neutralität und Offenheit schon gleich dreimal nicht. Erzähle mir, wie Du den Kuchen backst, aber erzähle mir nichts von den Zutaten!

Verkaufsgespräche 2.0



Wie sich Verkaufsgespräche heute darstellen (vor allem in "sozialen Netzwerken")

Sich anpreisen, bzw. seine Waren und Dienstleistungen anpreisen. Das Beste von sich und seinen Produkten behaupten. Die Vorteile herausstellen. Im nächsten Schritt dem Gegenüber darlegen, was er oder sie verpassen könnte, wenn er oder sie wirklich der Meinung ist, auf das Produkt/ die Dienstleistung verzichten zu können. Ein Ass im Ärmel haben. Nicht gleich aufgeben...
All diese Punkte gehören zu einem Verkaufs- oder Angebotsgespräch/ einer Kontaktaufnahme zu diesem Zwecke dazu – keine Frage. Aber wann wurde eigentlich die Reihenfolge geändert? Und seit wann wird man eigentlich von Anfang an hinters Licht geführt?

Kontaktaufnahme
Zunächst kommt die Frage nach einer Freundschaftsbestätigung oder der Vernetzung. Dann vielleicht eine Nachricht. Da ich selbst nur schwer damit umgehen kann, die Person, die so agiert, einfach stehen zu lassen oder zu ignorieren und zudem noch neugierig bin, schreibe ich meist eine kurze Nachricht und frage nach, woher wir uns denn kennen, bzw. was ich für die Person tun kann?

So siebt man (zumindest bei Facebook) schon mal die verirrten Halbwüchsigen aus, die nicht in der Lage sind zu lesen, dass man verheiratet ist und mittlerweile (Oh Gott, ich werde alt...) deren Mutter sein könnte.

Bekommt man eine Antwort von den übriggebliebenen Anderen, dann beginnt die Kontaktaufnahme (nicht zur Geschäftsseite sondern zum privaten Profil – und nein, ich möchte ich hier KEINE Diskussion über die Privatsphäre-Einstellungen beginnen, sondern einfach mal meine Gedanken aus dem Kopf und wieder zu „Papier“ bringen).

Sie sind so toll
Das sich dann anbahnende Verkaufsgespräch beginnt nicht mit der Darstellung dessen, was der Verkäufer/ die Verkäuferin anzubieten hat, sondern oftmals mit einem Kompliment. Dabei ist es unerheblich, ob man sich schon begegnet ist, ob man sich kennt oder ob man einfach mal via Facebook oder anderen sozialen Netzwerken angeschrieben wird. „Sie sind so ein sympathischer Mensch...“ –Ah ja? Woher möchte die Person das denn wissen? „Sie sind so nett, da musste ich Sie einfach anschreiben.“ – Es stellt sich dieselbe Frage.

Die Komplimente können beliebig ausgetauscht werden, zielen aber bei den plattesten Versuchen häufig nicht einmal auf das geschäftliche Angebot der Gegenseite oder etwas Beweisbares ab, sondern bauchpinseln das Gegenüber mit Aussagen über die Schönheit, die Intelligenz oder die Erkenntnis dessen, dass das Gegenüber etwas ganz Besonderes ist.

Wir haben gemeinsame Interessen
Bei den Gewieften (besser Geschulten?) folgt nach der Komplimentseröffnung im zweiten Akt die Nennung gemeinsamer Interessen. Auch hier können die gemeinsamen Interessen beliebig ausgetauscht werden und sind so allgemeingültig wie Horoskope in Illustrierten. Zu nennen sind im Allgemeinen: Ernährung, Schlaf, Freizeit, Arbeit.

Wer sich die Mühe gemacht hat und tatsächlich mehr als 2 öffentliche Fotos und den Slogan/ das Titelbild betrachtet hat, der kann unter Umständen noch die Themen „Kinder“ und „besondere Sportarten“ oder etwas Ähnliches anführen.

Sie verdienen es, dass Sie endlich das bekommen, was sie verdienen
Im dritten Akt kann die Verfahrensweise entweder zurückgreifen auf die schon erwähnte Komplimentseröffnung, die nun etwas weiter ausgeführt wird. Am anderen Ende ist die Person, die (endlich) meinen Wert erkannt hat. Der Prinz mit dem weißen Pferd (aber ich lebe nicht in einem Turm, ich habe keine langen Haare und ich kann nicht reiten).

Nur für exklusiv ausgewählte Personen
Oder aber die aufgewärmte Komplimentseröffnung wird ersetzt durch die Exklusivitätsformel. Was der andere (das weiß man übrigens meist eben noch gar nicht!) anzubieten hat, das bekommen nur ganz besondere Personen. Es ist ein exklusives Angebot, oder besonders vergünstigt.

Sie müssen sich jetzt entscheiden
Dieser Präparierung des geistigen Teiges folgt der Zeitdruck. Man muss ich jetzt entscheiden, es ist nur noch so wenig da, oder aber es sind noch so viele andere Personen auf der Liste (ganz exklusive und besondere Personen natürlich, versteht sich!) die angerufen werden müssen....

Die Informationen können wir Ihnen leider nicht schriftlich zusenden
Schriftlich gibt es diese Informationen und dieses Angebot natürlich nicht. Es ginge (aufgrund des oben erwähnten Zeitdrucks) leider nicht, dass man die wichtigsten Eckdaten per Mail versenden könne, also entweder man müsse sich jetzt entscheiden, oder aber man stimmt einem privaten Termin zu.

Ein NEIN zählt generell nicht
Hat man bis zu dieser Stelle durchgehalten, entweder weil man bisher noch nicht zu Wort gekommen ist, oder aber weil man wissen möchte, WAS man denn da jetzt eigentlich kaufen soll, oder aber weil man einen Tag morbiden/perfiden Masochismus’/ Interesses hat, und ringt sich durch, ein freundliches und gefühlt bestimmtes „Nein“ zu äußern, dann fängt meist der ganze Ablauf von vorne an. Und täglich grüßt das Murmeltier.
Bleibt man bei seinem bestimmten Nein, dann zählt dieses so gefühlte 3 bis 100 mal sowieso nicht. Stellt man eine Gegenfrage, ob das Gegenüber es als respektvoll erachtet, das „Nein“ des Anderen zu ignorieren, eröffnet man häufig damit das Schlachtfeld.

Aus der anfänglichen Überschüttung mit Komplimenten kann hier schnell ein Beleidigungsregen entstehen, oder aber das Totschlag-Argument schlechthin wird ausgepackt: Das Spiel mit der Angst beginnt...

Sie müssen wissen, ob Sie es sich/ ihrer Familie gegenüber verantworten können
Bisher habe man ja vielleicht gelebt oder doch eher in Ermangelung der Dienstleistung/ des Produkts sein Leben dahinsiechend bestritten, das wäre ja eine Sache gewesen. Aber man habe doch auch eine Verantwortung gegenüber – bitte wählen: der Familie, dem Partner, den Kindern, den Kunden, gegenüber den Mitarbeiter....

Verkaufspsychologie in allen Ehren
Wer sich jetzt denkt, dass ich meinen Mund ganz schön weit aufmache dafür, dass ich diese persönlichen Gedanken im Rahmen meines Blogs/ meiner Seite „Rebel-Management-Training“ veröffentlich, wo doch hier auch eines der Themen Auftritt und Rhetorik wäre, der kann ruhig so denken.

Ein Gespräch zum Wohle beider lenken, sich charmant verhalten, ein Ass im Ärmel haben und vielleicht auch mal EINE Nachfrage stellen – da bin ich ganz bei den Personen, die ihre Produkte oder Dienstleistungen an den Mann oder die Frau bringen wollen.

Interessant finde ich nur, dass sich das hier beschriebene Muster so häufig gleicht. Die Waren und Dienstleistungen können dabei austauschbar sein: Töpfe, Kosmetik, die Kaffeemaschine für das Büro, Nahrungsergänzungsmittel, der Auftritt in einer Talkshow, der Imagefilm über das eigene Unternehmen, die Fotos, die man von sich machen lassen kann, Versicherungen, Kleidung, Reisen, Weiterbildung – suchen Sie es sich aus.


Rebel-Management-Training ist kein Heilsversprecher




Heilsversprecher garantieren (auch keine) Wunder

Mit Menschen zu arbeiten, heißt in unserem Verständnis vor allem, sie zu respektieren. Respekt bedeutet auch, dass man nicht lügt. Viele Personen stellen ihr Licht unter den Scheffel und können viel mehr, als sie sich zutrauen. Viele Personen haben Potentiale und allein das Festhalten an (alten und überholten) Glaubenssätzen verhindert, dass sie diese Potentiale nutzen können. Viele Personen könnten mehr aus sich machen, erfolgreicher werden, glücklicher sein. Aber der Weg dorthin ist mitunter eventuell mit einer homöopathischen Erstverschlechterung verbunden, auf die man seine Klienten hinweisen sollte, wenn man ehrlich ist. Manchmal klappt es halt eben nicht, nicht bei uns, nicht sofort, nicht bei den anderen. Das kann sein. Diese Gefahr besteht. Wir können versprechen, dass wir mit Leidenschaft und Disziplin, mit Verantwortung und Respekt gemeinsam arbeiten. Wir können keine Wunder. Doch leider wollen viele Personen lieber denen glauben, die des Kaisers neue Kleider verkaufen.

Wahlweise 3 oder 5 Schritte zum Erfolg
Im Jahre 2000 wurde die Unternehmensberatung Rebel-Management-Training gegründet. Direkt nach dem Studium habe ich mich selbständig gemacht und mein Unternehmen auf die Strategieentwicklung für den Außenauftritt von Unternehmen und Einzelpersonen spezialisiert.

Zum Außenauftritt gehört nicht nur die Kleidung oder die moderne Internetseite, auch der Umgang der Teammitglieder miteinander, die Körpersprache, das Auftreten in der Öffentlichkeit, der Umgang mit der Presse, die Texte, die man schreibt oder schreiben lässt.

Fuß zu fassen und nicht zu straucheln war noch nie leicht. Zu jung (damals), zu rebellisch (komisch, oder?), zu verrückt, zu außergewöhnlich, zu günstig....
Ernsthaft! Ich kann mich noch erinnern, wie ich einen sehr interessanten Auftrag nicht bekommen habe (bei einem Großunternehmen, welches schon längst kein Deutsch mehr konnte und bei welchem Denglisch nicht nur hipp sondert MUST war). Alles war geklärt, man war überzeugt vom Konzept und der Vorgehensweise. Dann kam die Gretchenfrage, was es kosten würde und ich habe einen normalen Tagessatz plus X (waren ja schließlich die Geldigen!) verlangt und innerlich gezittert. Dachte aber, man könne ja gegebenenfalls nach unten verhandeln.

Dann kam die Gegenfrage, ob diese Summe pro Tag oder pro teilnehmender Person wäre und ich Schaf antwortete wahrheitsgemäß: „Pro Tag!“ – Es folgte ein müdes Lächeln und ich habe den Auftrag nicht bekommen. Wenn es gut ist, dann muss es teuer sein.
Mein Tagessatz war angemessen. Nicht zu billig, nicht zu teuer.
Da am Seminar 8 Personen hätten teilnehmen sollen, wusste ich somit, dass ich mindestens das 5fache hätte verlangen können.

Und in Zeiten der eigenen Zweifel (also immer wieder), stellt man sich (auch immer wieder) die Frage, was man eigentlich falsch machen würde? Jeder behauptet, dass er kann, was er tut. Ich weiß es, weil ich sonst gar nicht mehr schlafen könnte.
Verlässlichkeit und wirkliche Hingabe liegt mir in jeder meiner beruflichen Tätigkeiten im Blut. Oftmals bis über das gesunde Maß hinaus. Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein haben mein Fortkommen schon oft behindert, aber ich kann eben einfach nicht anders.

Vielleicht ist es genau das, vielleicht läuft da grundsätzlich etwas verkehrt. Und dann kommt es, das Angebot (heute vielfach über soziale Netzwerke – wir sind schon längst gläsern), welches einem sagt, dass man es schaffen kann binnen 6 oder 8 Wochen durch das Befolgen der allumfassenden und absolut erfolgsgarantierenden Tipps reich und sorgenlos zu werden. 5stellige Umsätze. Dauerhaft. Ohne Haken. Ganz einfach.

Der Rest gesunden Menschenverstands verbietet es einem diesem Blödsinn auch nur noch weitere 2 Sekunden der wertvollen Lebenszeit zu schenken, aber da flüstert eine Stimme: „Kann doch nicht schaden. Höre es Dir doch mal an.“

Und dann befindet man sich – schwupps - in wahlweise einem Telefonat, oder einer Skype-Konferenz oder einem Webinar und weiß nicht, ob man lachen, weinen oder parkinsonartig den Kopf schütteln soll.

Erfolg = die Dicke des Bankkontos
Zunächst mal muss einem klar sein, dass Erfolg ausschließlich in Geld gemessen werden kann.
·      Weil Geld einem die notwendige Work-Life-Balance ermöglicht (stimmt zum Teil),
·      weil Geld glücklich macht (das nicht, aber die Abwesenheit von selbigen tut es auch nicht),
·      weil Geld die Kennzahl des Erfolgs ist,
·      weil Geld die Welt regiert und man wollte doch schon immer auch ein bisschen regieren und ein bisschen Macht haben,
·      weil Geld einen befähigt, endlich so sozial sein zu können, wie man es doch als guter Mensch im Inneren wäre, denn nur, wenn man mehr habe, als man brauche, dann könne man es auch herschenken.

To be continued....

Geld ist gleichermaßen die Grundvoraussetzung für alles andere. Für Werte, für soziale Gerechtigkeit, für die Work-Life-Balance, für Macht, für Einfluss, der Garant dafür, dass einem jemand zuhört.

Geld ermöglicht überhaupt erst ein Verantwortungsbewusstsein und ein Gewissen. Umgekehrt ist das leider nicht möglich (kann man zwischen den Zeilen, zwischen den Zahnpastalächeln, zwischen dem liebevollem „Du“ auf welches man reduziert wird, lesen und heraushören).
Wer kein Geld mitbringt, der kann leider auch nicht wirklich beraten werden. Wer Verantwortungsbewusstsein und ein Gewissen hat, der wird sich schwer tun, Geld zu verdienen. Wenn man erst einmal Geld hätte, dann könne man (ja wieder) verantwortungsvoll handeln.
(Zugegeben, Letzteres ist eine reine Interpretation. Aber ich schreibe mir ja gerade auch einfach meine Gedanken von der Seele und erhebe keinen Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit. Wer sich (jetzt schon) angegriffen fühlt, der sollte mal darüber nachdenken, warum das der Fall ist?

Lockvogelangebote
Derartige Veranstaltungen oder Webinare gestalten sich seltsam und dabei doch immer gleich. Es gibt ein paar Rahmenbedingungen, die immer wieder auftauchen. In jedem Fall ist immer eine ganze Schar von Anhängern vorhanden. Noch bevor auch nur ein ganzer Satz oder irgend Etwas mit fundiertem Inhalt von Sender zu Empfänger gewandert hätte sein können, kann man schon Lobpreisungen lesen/ hören. In Webinaren gerne im Chatfenster.

Zunächst hält man sich zurück, weil man feige ist, weil man erst einmal sehen möchte, wie das weitergeht, weil man es mit einer gewissen Art eines morbiden Interesses beobachtet. Eigentlich möchte man sagen/schreiben: „Okay Leute, also ich kenne Euch nicht und demnach kann ich jetzt auch in den Chor derer einstimmen, die Euch so toll und authentisch finden. Ihr habt mir ein kostenloses Seminar/ eine kostenlose Veranstaltung von Dauer X versprochen und davon sind jetzt gut 45% um, ohne, dass inhaltlich auch nur ein Hauch eines Inputs geflossen wäre. Kommt mal in die Gänge Jungs und Mädels, denn von Eurem Zahnpastalächeln kann ich nicht abbeißen. Und wie toll ihr seid, dass habe ich binnen der ersten 2 Minuten begriffen. Und jetzt hört bitte auf mir zu erzählen, worum es in diesem Webinar gehen soll, denn das weiß ich schon, deswegen habe ich mich ja auch entschieden teilzunehmen (und bereue es jetzt schon).“

Aber da kommt nix. Da kommt kein Input. Da werden ausschließlich Phrasen gedroschen und uns (dummen) Eseln die Karotten des (möglichen) Mammons vor die Nasen gehalten. Und alle (im Chatfenster gekauften und sowieso nicht real existierenden – so die Vermutung) Menschen finden es toll. Dann kann ich es doch nicht schlecht finden. Was hier abläuft ist ein ganz normaler Wahrnehmungsfehler. Nur, weil es (scheinbar – ich bin immer noch der Meinung, dass es überhaupt gar keine anderen Webinarteilnehmer gab) alle gut finden, darf ich es dennoch schlecht finden. Ich muss mir deswegen keine Vorwürfe machen.
Ich muss mich nicht der Meinung vieler anschließen, nur weil ich Angst habe, damit eine scheinbare Gruppenzugehörigkeit zu verlieren. Der Mensch als soziales Wesen möchte aber oftmals eben Teil einer Gruppe sein. Immanent wird durch diesen Mechanismus bereits manipuliert.

Des Kaisers neue Kleider
Einige Zeit später nimmt man sich die Freiheit des enfant terrible heraus und schreibt eine Frage in das manipulierte Chatfenster, oder äußert seine Meinung im Motivationsseminar oder lässt sich nicht einfach so begeistern und schickt sich nicht an, gleich vor Verzückung in Ohnmacht zu fallen.

Zunächst wird man einfach ignoriert. Dann wird man weiter ignoriert.
Dann erhält man ein Einzelgespräch. Auch dieser Mechanismus war bisher in allen diesen Veranstaltungen, ob live oder online, zu beobachten.
Ich habe es schon auf diversen Veranstaltungen erlebt, bei welchem dann tatsächlich ein Mitarbeiter (die königliche Leibwache?) kam und sich mit mir in einem Einzelgespräch über meine so interessanten Fragen/ Thesen unterhalten wollte, im Webinar kommt dann die Gegenfrage auf die gestellte Frage einfach per Mail, sie wird natürlich NICHT im Chatfenster beantwortet. (Stellt sich die Frage, warum eigentlich nicht, es ist doch sowieso niemand anderes anwesend?).

Die Einzelgespräche dienen dabei nie der Kommunikation auf Augenhöhe. Sie sind die (verzweifelten) Versuche, diese abtrünnige Figur, diese Ausgeburt der Hölle, zur Raison zu bringen und mit der Gehirnwäsche zu beginnen.
Und die Mechanismen sind nicht schlecht. Überholt. Alt. Aber eben nicht schlecht.
Es bedarf schon ganz schön viel an Sturheit, um bei sich zu bleiben.

Und es bedarf ganz schön viel an Watte in den inneren Ohren, die auf die innere Stimme hören wollen, die flüstert, dass man sich doch endlich mal zurückhalten solle, sonst würde das eben nie klappen mit dem Erfolg.

Motivationsdiktatur
Und es funktioniert. Am Ende der Veranstaltungen geht es immer um das Eine: Geld.
Sollten Sie sich, werter Leser – übrigens Danke, dass sie so lange durchhalten – jetzt fragen, ob es nicht von Anfang an darum gegangen wäre, dann kann ich sie gerne aufklären.

Am Anfang ging es darum, dass man den Teilnehmern und Teilnehmerinnen mittels der Geld-Möhren-Esel-Konstellation zeigen wollte, wie viel sie (eigentlich) wert seien und was sie (theoretisch, ach ne – in den Werbesprüchen der Personen ja praktisch) verdienen könnten.

Am Ende des Seminar geht es darum wie viel sie zahlen sollen, damit das dann auch klappt. Bezahlen ist dabei ein falsches Wort. Investieren muss es heißen. Und sie wollen doch in sich selbst investieren, oder?

Exklusiv wird einem, wenn man es geschafft hat durchzuhalten, eine Teilnahme an einem Coaching, an einem Motivationsseminar, an einem Thunderstorm-/Brainstorming Wochenende angeboten. Diese Coachings bekäme natürlich nicht jeder, man könne sich glücklich schätzen, man wäre auf dem Weg der Erwählten schon ein Stück weiter.

Stellt man die Frage, mit welchen Kosten die Inanspruchnahme eines solchen Coachings beispielsweise verbunden wäre, bekommt man keine Antwort.

Frustration versus Motivation
Am Ende bleiben die quälenden Fragen und die Frustration. Oberflächliche Frustration, weil man (mal wieder) vor Augen geführt bekommen hat, dass Erfolg nur in Geld gemessen wird und dass Geld nur der verdienen kann, der schon Geld mitbringt.

Frustration darüber, dass es so viele Menschen gibt, die sich von solchen Angeboten ködern lassen und dass man streng genommen auch dazugehört (selbst wenn man nicht bereit ist, weitere Schritte zu gehen).

Frustration darüber, dass Oberflächenmotivation immer noch zu zählen scheint, auch wenn einem die Erfahrung gezeigt hat, dass hier kostenintensive Strohfeuer gezündet werden, die die Menschen, die sich entfachen lassen als ein Häufchen Asche zurücklassen.

Wir möchten in unserer Tätigkeit ebenfalls Menschen motivieren. Wenn wir mit Menschen zusammenarbeiten, so suchen wir mit ihnen gemeinsam nach guter Nahrung für ein persönliches Motivationsfeuer, welches dauerhaft wärmen kann.

„Du kannst alles schaffen, wenn Du nur willst.“ – „Du bist ein Adler/Löwe/Sieger/ Macher und musst dich über die anderen emporheben.“ – hört man von uns im Coaching, im Seminar, in der Strategieentwicklung nicht.

Allem Anschein nach ist genau das der Fehler.
Im Verlaufe der letzten 17 Jahre bin ich als Geschäftsführerin von Rebel-Management-Training sehr häufig darauf angesprochen worden derartige Seminare und Vorträge zu konzipieren und selbst abzuhalten.
Als Person polarisiere ich. Ich kann reden und meine Meinung und mein Vorgehen argumentativ gut belegen. Ich spreche gerne und viel und fülle in Vortragsreihen ganze Säle. Mir wird nachgesagt, dass ich eine schöne Stimme hätte.

Das reicht. Jetzt nur noch das Denken und das Wertesystem dieser Person ausschalten, um sie gleichzuschalten und dann kann man einen neuen Multiplikator generieren.
17 Jahre lang habe ich mich geweigert, weil es nicht unserer Firmenphilosophie entspricht, ich werde es weiterhin tun.

Nicht selten wird das Ziel potentieller Motivationsmaschinerieauftraggeber dabei deutlich beschrieben: „Wissen Sie Frau Rebel, wenn die Personen anfangen, das System in Frage zu stellen, wenn sich Demotivation breit macht, weil sich der Erfolg nicht einstellt, wenn die Personen, die bei uns ein Abonnement abgeschlossen haben, anfangen zu viele Fragen zu stellen, dann ist das nicht gut für uns. Hier bräuchten wir jemand, der sie wieder auf Spur bringt, der das Feuer für unsere Sache wieder entfacht. Hier kann ich mir sie gut vorstellen.“

Schmeichelhaft, dass die Personen erkannt hat, dass man Menschen begeistern kann. Wenn ich, wenn wir, Menschen begeistern, dann Stück für Stück und für die eigene Sache. Motivation erwecken und persönliche Vorgehenspläne erarbeiten, die für unsere Klienten funktionieren – das ist es, was wir können, das ist es, was wir bieten.

Aber das scheint nicht zu zählen.

Einmal in der Maschinerie
...kommt man so schnell nicht mehr raus. Man muss schon impertinent darauf hinweisen, dass die Mailadresse aus dem Verteiler gelöscht werden soll, dass man keine Anrufe mehr erhalten möchte, dass man nicht mehr zu „kostenlosen“ Seminaren und Brainstorming-Wochenenden eingeladen werden will, dass man an den eigenen Werten festzuhalten gedenkt.

Ja, auch wenn diese Werte verkehrt zu sein scheinen und auch wenn die Person am anderen Ende der Leitung Recht hat, wenn sie behauptet, dass einen die eigenen Werte doch bisher auch nicht dorthin gebracht haben, wo man nach Meinung der Person am anderen Ende der Leitung doch verdientermaßen hingehöre.

Und dann fängt das ganze Spiel von vorne an – wenn man es zulässt.

Festhalten an Werten
Vielleicht bin ich naiv. Vielleicht bin ich blauäugig (das zumindest kann ich verneinen), vielleicht lebe ich in einer Gedankenwelt, die fußt auf dem Glauben an das Echte, das Gute, die Authentizität. Vielleicht betrachte ich diese eigene Gedankenwelt durch eine rosarote Brille und glaube an Einhörner? Nein.
Ich glaube nicht nur, ich bin der Überzeugung, dass man auch „echt“ und „ehrlich“ mit Menschen und als Unternehmensberaterin arbeiten kann.
Glaube? Überzeugung? – Wenn es nicht zum gewünschten Erfolg führt dann ist es offensichtlich falsch.
Der Misserfolg gibt diesem Denken Recht.

Auf Ehre und Gewissen – arm wie ne Kirchenmaus
In Seminaren und Coachings sage ich meinen Teilnehmern und Teilnehmerinnen häufig: „Sie sind der einzige Mensch, der 24 Stunden am Tag mit sich selbst verbringen muss. Ohne Aussicht auf Urlaub. Es ist kein Egoismus, wenn sie sich so verhalten, dass sie sich auch morgen noch im Spiegel betrachten können. Es ist eine (echte) Betriebsinvestition.“

Und nachdem ich gerne nach dem Prinzip „practice what you preach“ verfahre, muss ich hier immer wieder auch an mir selbst arbeiten. Das ist nicht leicht. Das ist Arbeit. Das ist aufreibend.

Wenn ich mit den Ergebnissen dessen was ich tue konfrontiert werde – heute, morgen, in 5 oder 10 Jahren – dann möchte ich dazu stehen können, persönlich und als Unternehmerin.

Dass man mit dieser Einstellung nicht „reich“ werden kann, damit habe ich mich abgefunden. Dass es allem Anschein nach besser ist, die Klienten als Futter für Strohfeuer zu missbrauchen, denn damit scheint sich mehr „Geld“ machen zu lassen, das will mir nicht in meinen Kopf und passt auch nicht in mein Wertesystem.

Alles nur geklaut....

Ich bin doch gar nicht blauäugig

Im alljährlichen Sommerloch treibt mich der Gedanke um, welche meiner Kompetenzen ich nicht (ausreichend) nutze? Schreiben. Texte verfassen, aus wenig Gedanken viele Zeilen machen (falls notwendig) oder auch komplizierte Sachverhalte mittels einfacher Metaphern im wahrsten Sinne des Worte bildlich darstellen, das liegt mir.

Da gibt's doch dieses "Ghostwriting"

Nein, ganz so naiv und blauäugig als dass ich das nicht schon vorher gewusst hätte, bin ich nun doch nicht. So richtig strategisch bin ich aber bisher nicht an die Sache gegangen. Es gab auch keine Notwendigkeit dafür. Google macht's möglich und binnen weniger Sekunden ist das Leid schon überwunden (Sorry, nein - das war eine Textzeile aus dem Song Reime des Rödelheim Hartreim Projekts). Binnen weniger Sekunden findet man also Agenturen, die sich auf die Vermittlung von Ghostwritern spezialisiert haben.

Angemeldet

"Schadet ja nicht", denkt man sich und schwupps ist man registriert. Ein paar Minuten später folgt eine Mail in welcher man darauf aufmerksam gemacht wird, dass bald die ersten Auftragsanfragen eintrudeln werden. Wow, so schnell. Dumm und naiv führt man dieses Vorschussvertrauen auf die eventuell doch durch das Netz überprüfbare Schreibkompetenz zurück und wächst ein paar Millimeter, fühlt sich im Sommerloch schon wieder ein wenig besser, schöpft Hoffnung.

Tatsache

Keine zwei Tage später trudeln die ersten Anfragen ein. Es dauert ein paar Minuten, bis man merkt: Hoppla, das sind alles Anfragen der gleichen Coleur: Bachelorarbeiten.
Ausschließlich.
Gut. Ist ja kein Problem, da geht es bestimmt nur um Formulierungsoptimierungen, das kann man ja verstehen.
Nein. Es geht um die Erstellung ganzer Arbeiten. Und die Abgabefristen bringen das Fass ohne Boden zum Überlaufen. Binnen 2 bis 5 Tagen sollen hier mal 25 bis 50 Seiten geschrieben werden, teilweise mit dem Zusatz "In Harvard Englisch bitte" - oder auch mit dem Kommentar des Auftraggebers "Muss gut werden!".

Vorarbeit

Das (dumme) moralische Gewissen verweigert es einem, sich auch nur näher mit dem Gedanken zu befassen, aber neugierig ist man ja schon. Was müsste ich denn tun? Ganz einfach: ALLES
Ist die Literatur vorhanden? Nein. Gibt es schon entsprechende Kapitel und Rechercheergebnisse, die man "nur" in Worte fassen müsste? Nein.

Mücken und Elefanten

Wer nun denkt, es handle sich um eine vereinzelte Anfrage, der irrt. Binnen einer Woche habe allein ich ca. 20 Anfragen bekommen (und keine angenommen und werde es auch nicht tun).

Hochrechnung

Zum Nachdenken. Ich habe mich bei EINER Agentur eintragen lassen und bin EINE mögliche Ghostwriterin. Ich allein habe  ca. 20 Anfragen bekommen. Wie viele Agenturen gibt es? Wie viele Ghostwriter sind gelistet?
Wer schreibt seine Abschlussarbeiten überhaupt noch selbst?

Haftungsausschluss

Eigentlich selbstverständlich, aber der Vollständigkeit halber möchte ich es erwähnen: Ich behaupte NICHT, dass alle Abschlussarbeiten gekupfert, geklaut, mit Lug und Betrug entstanden sind.
Ich habe mich lediglich über das gewundert, was ich in den letzten paar Tagen selbst erfahren durfte.

Interessante Gesetzeslage

Selbst unser Gesetz ist sich nicht ganz einig, inwieweit das alles rechtens, in Ordnung oder doch strafbar ist und wen es dann betrifft:
https://www.e-recht24.de/artikel/haftunginhalte/8221-ghostwriting-ist-das-strafbar-was-ist-erlaubt.html





CREDITS und SIGNATUREN – Urheberrecht und geistiges Eigentum

 
 
Jeder Mensch lernt, jeder Mensch lässt sich begeistern, beflügeln, inspirieren, profitiert vom Können und Wissen anderer.
 
Es gehört zum guten Ton, darauf hinzuweisen von wem wir wo und in welcher Weise profitiert haben, wessen künstlerische Ader uns in „schön“ darstellt, wessen Worte uns beflügeln, welcher Fotograf es geschafft hat, unsere schönste (manchmal auch nur eine ganz „andere“ Seite) im Bild festzuhalten, von wem wir gelernt haben, wer uns für welche Herausforderung die entsprechenden Tipps gegeben hat, wessen Hilfe wir uns bedient haben.
 
Das geht nicht immer. Keiner wird den Namen seines Mathelehrers oder seiner Mathelehrerin unter jede Rechnung setzen, die er oder sie schreibt, das meine ich auch gar nicht.
 
Urheberrecht und Schutz des geistigen Eigentums
 
Prinzipiell eine tolle Sache. Leider ist im realen Leben festzustellen, dass die, die es wirklich verdient haben, oft zu kurz kommen bzw. dass man dem Gedankenklau wehrlos gegenüber steht, oder aber falsche Personen Verdienste für sich beanspruchen. Reales Leben eben. Also ganz normal.
 
Warum ich darauf komme – eigentlich sehr einfach
 
Gestern konnte sich meine Tochter ihren seit 6 Jahre gehegten Wunsch nach einem Tattoo mit dem Motiv einer Libelle erfüllen. Frenky von Factory of Art hat diese Libelle gestochen und sie ist wundervoll geworden.
Natürlich wurden gleich Bilder gepostet und prompt folgen die Rückmeldungen „Wow, wo hat sie das machen lassen?“ – „Toll, kannst Du mir den Link zum Tattoostudio senden!“ – etc. etc. etc.
Dann dachte ich, dass Tattookünstler eigentlich wirklich die A-Karte gezogen haben. Kein Tätowierer setzt neben sein Bild, sein Kunstwerk eine handschriftliche Signatur wie es bei Bildern der Fall ist.
Auch kann ein Tätowierer nicht verlangen, dass der Besitzer des Tattoos jedem Betrachter sofort sagt: Das Tattoo ist von XY.
 
Lasse ich heute Fotos machen, so verlangt der Fotograf/ die Fotografin die Nennung/ Verlinkung und untersagt mir oftmals auch, dass ich das Bild so nutze, wie es mir gefällt. Ich darf es auch nicht verändern, keine Filter darüber legen, beschneiden oder mit einem anderen Rahmen (direkt im Bild) versehen. Es darf nur mit Einverständnis für meine Zwecke genutzt werden (zumindest in der Öffentlichkeit), auch wenn das Model auf dem Bild ich selbst bin.
 
(Das ist eine Faktensammlung. Keine Anklage! Nur falls jemand beim Lesen jetzt schon Schnappatmung bekommt!)
 
Ein Tätowierer signiert sein Werk nicht, kann mir auch nicht vorschreiben, welche Kleidungsfarbe ich in Zukunft wählen darf, damit das Werk besser zur Geltung kommt und er kann mich auch nicht zwingen sorgfältig mit dem Werk umzugehen.
 
Architekten öffentlicher Gebäude dürfen den darin tätigen Personen unter Umständen sehr wohl untersagen ob sie ihr Büro morgen in gelb oder grün streichen, wenn sie meinen das würde ihrem Werk schaden.
 
Ebenso schwer ist es, zu verhindern, dass Konzepte geklaut und schamlos unter eigenem Namen eingesetzt werden oder dass sich Personen mit Federn schmücken, die eventuell das Wort „Feder“ nicht mal buchstabieren können.
 
Das passiert überall und bestimmt hat das jede Person schon einmal in irgendeiner Weise erlebt.
Das wird sich auch nicht ändern lassen, aber nachdenken darüber darf man, oder?
Und diese Notiz soll demnach auch nicht mehr sein: Zu Papier gebrachte Gedanken! Keine Anklage, keine Beschwerde, kein Seitenhieb auf irgendjemand.
Ich habe halt mal nachgedacht und ein bisschen philosophiert – nicht mehr, aber auch nicht weniger!
 
(Fotos: Nadine Rebel, Tattoos: Factory of Art, Hot Needles)