Lügen haben kurze Beine – Ausreden keine Kondition


Manche Ausreden benutzt man aus guten Gründen: Man möchte niemanden verletzen – es ist einfacher – die soziale Gefälligkeit schwirrt einem im Kopf herum – die Wahrheit würde niemand verstehen. Nicht immer muss also konsequent mit einer „policy of truth“ agiert werden, vor allem, wenn es um das soziale Miteinander geht. 

Wir alle benutzen Ausreden, sagen wir hätten keine Zeit, obwohl die Wahrheit wäre, dass wir uns keine Zeit nehmen wollen, behaupten, wir würden uns melden, wenn es wieder weniger stressig wäre, obwohl wir überhaupt keine Lust haben, uns zu melden. So kommen wir im Allgemeinen besser zurecht. Daran ist nichts auszusetzen. Sofern Ausreden keiner Überprüfung standhalten müssen, können diese sogar dem sozialen Miteinander dienen. 

Dumm ist es nur, wenn man selbst vergisst, welche Ausrede man benutzt hat. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die angenommene Gültigkeitsdauer der benutzten Ausrede. Oftmals ist festzustellen, dass der Mensch zunächst nach akuten Ausreden sucht: Kopfweh, Unwohlsein, Auto nicht angesprungen, Handy Akku leer. Da diese Ausreden allerdings selten mehrfach benutzbar sind, müssen – will man erneute Ausreden finden, die Zeitdauer ausgedehnt werden. 

Ein Umzug, Renovierungsarbeiten oder auch die Einarbeitung in den neuen Job verschaffen einem dabei ein paar Wochen. Aber auch bei diesen Ausreden ist die Halbwertszeit bald erreicht. Spätestens jetzt sollte man sich überlegen, was mit höheren Kosten verbunden ist – sozialen Kosten. 

Spricht man Tacheles oder sucht man sich die nächste Ausrede, die – wenn alles gut läuft und man nur ein wenig Einfallsreichtum beweist – eine längere Halbwertszeit aufweisen kann. Gerne genommen werden hier familiäre Umstrukturierungen (im Guten wie im weniger Guten), Sparmaßnahmen die länger als ein halbes Jahr andauern oder auch Großprojekte, deren Laufzeit über Monate oder Jahre gehen kann und deren Ende im Idealfall nicht abzusehen ist. 

Für das soziale Miteinander können Ausreden kurzfristig sogar hilfreicher sein, weil weniger stressbehaftet und unter Umständen weniger verletzend. Nach der zweiten Phase – der Suche nach länger gültigen Ausreden – sollte man sich allerdings überlegen, ob man nicht Tacheles redet. Denn auch der besten Ausrede geht dann bald die Puste aus. Die Kondition ist nicht ausreichend.

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